Aktuelle Nachrichten

K├╝nstlertreff Pfaffenhofen

Ausstellung mit Stefanie Ehrenfried

Man darf die Skulpturen berühren – ja, man muss sie geradezu anfassen, denn erst dann erfühlt man, aus welchem Material sie geschaffen sind: Wolle, und sonst nichts anderes. Auch wenn es aus der Distanz betrachtet aussieht, als wäre es Stein. Ungefärbte, naturreine Wolle von Schafen und Ziegen verarbeitet Stefanie Ehrenfried zu Körpern, Köpfen und Figuren. Ohne stabilisierendem oder tragendem Kern aus anderem Material. Einen Teil ihrer Werke, zeigt sie jetzt beim Künstlertreff im Pfaffenhofener Rathaus.

„Fantastisch“, „unglaublich“: Selten hat man bei einer Ausstellungseröffnung so spontan geäußerte Begeisterung erlebt, wie an diesem Abend. Installationen und Skulpturen aus Stein, Stahl, Holz oder Bronzeguss: Mit klassischen Materialien der bildenden Kunst hat es in der Vergangenheit beim Künstlertreff schon viele Ausstellungen gegeben. Werke aus Wolle jedoch sind etwas Neues und machen offensichtlich neugierig. Eine stattliche Besucherschar jedenfalls kam zur Ausstellungseröffnung ins Rathausfoyer.

Darüber freute natürlich auch Bürgermeister Dieter Böhringer. Immerhin feiert der Künstlertreff in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. „Es wäre nie möglich gewesen, ohne Sie so eine kulturelle Veranstaltungsreihe aufzustellen“, bedankte sich der Gemeindechef mit einem Weinpräsent bei den anwesenden Mit-Initiatoren Gunther Stilling und Detlef Bräuer. Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von Annette Enz (Klavier) und Hanneli Fröhlich (Cello) von der Musikschule Lauffen und Umgebung.

 

„Im erweiterten Kreis“, hat Stefanie Ehrenfried ihre Ausstellung überschrieben. „Welcher Kreis? Welche Erweiterung? Martin Aldinger, Ehemann der Künstlerin, lenkt den Blick auf die ausgestellten Exponate. Es sind menschliche Gesichter, Köpfe und Körper. Auch Fabelwesen aus der Tierwelt bis hin zu Figuren wie beispielsweise einem Spielzeugkreisel. Und alles in den dunkelbraunen, beigen, grauen und weißen Farbtönen der Schafe und Ziegen von denen die Wolle stammt.

Wollknäuel, fest gewickelt und vernäht, bilden den Kern von Stefanie Ehrenfrieds Skulpturen. Ihr einziges Werkzeug ist die Filznadel. Damit werden die Knäuel mühevoll verarbeitet. Durch ständiges einstechen und herausziehen der mit Widerhaken gespickten Nadel wird die Oberfläche verdichtet, verfilzt. Um die Form zu präzisieren, wird da und dort auch mal ein Stück wieder abgeschnitten, an anderer Stelle angenäht und mit der Filznadel verwoben. Auch die überlebensgroß gestaltete Figur „Hinterhand“, die aussieht wie Daphne auf der Flucht vor Apollon, ist so in dreijähriger Arbeit entstanden. Schwerkraft und Balance hat die Künstlerin bei der rund 1,70 Meter hohen Figur so in Einklang gebracht, dass sie frei und mit einer gewissen Leichtigkeit auf ihren Sockel steht.

Die Wolle von zehn Schafen ist in diesem Exponatverarbeitet, erzählt Stefanie Ehrenfried, die ihr Atelier, eine ehemalige Süßwarenfabrik, in Rosengarten bei Schwäbisch Hall hat. Seit nunmehr neun Jahren arbeitet sie mit der Filznadel. Mehr als 40 Arbeiten, die in Größe und Komplexität variieren, sind in der Zeit entstanden. wst

 

Daten und Fakten

Die Veranstaltungsreihe Künstlertreff Pfaffenhofen besteht aus jährlich zwei Ausstellungen bildender Künstler im Rathaus. Eine Ausstellung ist im Frühjahr und eine im Herbst. Außerdem gibt es im November noch ein Konzert, für das Colin Wilkie den Künstler auswählt. Die aktuelle Ausstellung von Stefanie Ehrenfried kann noch bis Freitag, 9. Juni, während der Öffnungszeiten des Rathauses betrachtet werden. wst

 

Jubiläum

25 Jahre Künstlertreff

Die Ausstellungseröffnung „Im erweiterten Kreis“ mit den Werken von Stefanie Ehrenfried war zugleich auch eine Jubiläumsveranstaltung: Seit 25 Jahren gibt es im Rathaus den „Künstlertreff Pfaffenhofen“. Bei der Ratssitzung im März 1992 habe er erstmals den Vorschlag gemacht, den damals im Ort wohnenden Künstlern Gunther Stilling, Detlef Bräuer und Colin Wilkie mit jeweils einer Ausstellung und einem Konzertabend die Gelegenheit zu geben, sich der Bevölkerung vorzustellen, blickte Bürgermeister Dieter Böhringer zurück. Vielleicht könne sich daraus sogar eine kulturelle Veranstaltungsreihe entwickeln, so Böhringers Vision damals.

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen, und die Vision des Gemeindechefs „ist eine Erfolgsgeschichte für die Kunst und für Pfaffenhofen geworden“, sagen die Künstler. Sie betonen, dass es vor allem „ein Verdienst des Bürgermeisters ist“, dass es den Künstlertreff gibt.

„Es ist schon außergewöhnlich, für eine Gemeinde in der Größe von Pfaffenhofen, so eine Kultur-Veranstaltungsreihe zu installieren“, resümiert Detlef Bräuer die vergangenen 25 Jahre. Schade sei nur, dass die Bevölkerung nach wie vor nur ganz spärlich zu den Ausstellungen kommt. Und Gunter Stilling ergänzt, dass sie alle drei, auch Colin Wilkie, der bei der Jubiläums-Ausstellungseröffnung nicht dabei sein konnte, „damals sehr angetan waren, dass auch der Gemeinderat sofort mitgemacht hat“.

Es waren schöne Ausstellungen und Musikabende in den vergangenen 25 Jahren mit oft namhaften Künstlern, die ohne den Künstlertreff wohl nie in Pfaffenhofen ausgestellt hätten oder aufgetreten wären, blickt der Bürgermeister zurück. Den „Werbeeffekt“ für die Gemeinde habe längst auch der Gemeinderat erkannt. Jedes Jahr habe er das erforderliche Budget im Haushalt bereitgestellt, betonte der Rathauschef. wst

 

Info: Termine

Die nächste Ausstellung beim Künstlertreff beginnt am 17. November, eine Woche später, am 24. November, ist dann der Musikabend im Rathaussaal geplant. wst