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Kirwe-Kult mit Hillu’s Herzdropfa
8.11.2019 - 15.11.2019

„Wisset sie, was an Stiega-Rälling isch?“, fragte Hillu Stoll die Zuschauer. „Bei ons auf dr Alb isch des en angehender Schwiegersohn“. Einen Schwäbisch Schnell-Grundkurs, deftig, a la „Hillu’s Herzdropfa“ gab es beim Kirwe-Kult in der Pfaffenhofener Wilhelm-Widmaier-Halle. Zum elften Mal veranstaltete der Handels- und Gewerbeverein (HGV) zum Kirchweih-Wochenende diese Veranstaltung.

Diesmal hatten die Organisatoren dafür das kulturig schwäbische Comedy-Duo „Hillu’s Herzdropfa“, Hillu Stoll und Franz Auber aus Justingen, einem kleinen Flecken „oberhalb von Blaubeuren“, wie sie betonen, auf der Schwäbischen Alb eingeladen. „S’Ländle nauf – S’Ländle na“, heißt ihr aktuelles Programm. HGV-Vorstand Stephan Kolb freute sich dann auch, dass er fast 300 Besucher im vollbesetzten Saal begrüßen durfte. Die stärkten sich vorab schon mal unter anderem mit einem guten Rehbraten, Spätzle und Salat, aus der Küche des TSV Pfaffenhofen.

Diese Stärkung war notwendig. Denn danach wurden gut zweieinhalb Stunden lang die Lachmuskeln doch arg strapaziert und die Arme und Hände zum Beifall klatschen gefordert. Die beiden Vollblut-Älbler mit ihren Kultfiguren Lena Schuahdone und ihrem angetrauten Maddeis begeisterten mit ihren Sketchen, gegenseitigen Frotzeleien, Witzen und Sticheleien auf die „Heggascheißer“, die Stuttgarter, Böblinger und Esslinger, die im Biosphärengebiet rund um Justingen scheinbar so beliebt sind, wie die Preußen in Bayern.

Zwei Stühle und ein kleiner Tisch genügen Lena und Maddeis als Kulisse. Und während sich zwischen den Sketchen der eine ein anderes „Häs“ anzieht, also sich umzieht, unterhält der andere mit einem Gedicht oder Witz. Der Fundus der beiden ist groß. Ein Sketch reiht sich an den anderen. Ob’s die Geschichte mit den Putzlumpen ist – „ein Putzlumpen gehört zum Schwaben, wie zum Badener die gelbe Füaß“, oder das Erlebnis auf dem Recyclinghof, oder die Dialoge in der „Kuche“ – „wisset ihr was a „Kuche“ isch, verstehet ihr des?“, wollen sie von den Zuschauern wissen. Kochen sei gar keine Kunst, erklärt Maddeis – „essen muass mr’s kenna!“. Jede Pointe sitzt.

Gar nicht zufrieden ist Lena mit ihrem Geburtstagsgeschenk – eine Personenwaage. Die zeigt nicht nur wieviel man abgenommen hat, sondern auch „was mr zuanemmt“. In Anspielung auf ihre Körperfülle will Maddeis deshalb seine Lena zum Joggen verführen, aber das schafft er trotz seinem Hippie-Outfit nicht.

Die Paraderolle der beiden ist das Bauernehepaar. Wenn Lena mit Kopftuch, in blauer Arbeitsschürze und Gummistiefeln von ihrem Bulldog, ihrem „Massey Ferguson“ schwärmt und wie sie so einem „Heggascheißer“ ausweichen musste, dann bleibt bei den Besuchern kein Auge trocken. Und der Höhepunkt schließlich: In der Montur als Bauersfrau stürmt sie ins Landratsamt und macht dem Beamten dort ordentlich die Hölle heiß. Weil sie nämlich jetzt ganz schnell, nach mehr als 30 Jahren, endlich ihren Bulldog anmelden will... wst