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Aktuelle Nachrichten | Fried, Milanka | 11.06.2021 – 18.06.2021

Stabwechsel mit historischer Dimension

Mit Carmen Kieninger übernimmt in Pfaffenhofen erstmals eine Frau das Bürgermeisteramt nach fast 40 Jahren Dieter Böhringer.

„Der Anlass hätte einen würdigeren Rahmen verdient", sagte Landrat Detlef Piepenburg zur Verabschiedung des langjährigen Pfaffenhofener Bürgermeisters Dieter Böhringer. Keine Vorführungen der Vereine wie Liederkranz oder TSV Pfaffenhofen, kein unbeschwertes Fest mit langjährigen Wegbegleitern. Stattdessen eine auf rund 100 Besucher begrenzte, mit Blumen in den Pfaffenhofener Farben rot und weiß geschmückte, Wilhelm-Widmaier-Halle. Musikalisch umrahmte das „Classic Trio“, die beiden Solistinnen Nelli Holzki und Lilia Urbach sowie Elisabeth Zich am Klavier, die feierlich festliche Gemeinderatssitzung, bei der die Corona-Pandemie Regie führte. Masken, Abstandsregeln, Testnachweise waren Pflicht für alle Besucher.

Dennoch: Es waren viele Repräsentanten aus Land-, Kreis- und Gemeindetag, Gemeinderat, Bürgermeister aus dem Sprengel und Bürger sowie der 94-jährige frühere Heilbronner Landrat Otto Widmaier gekommen. Immerhin hatte diese Gemeinderatssitzung eine historische Dimension. Denn Dieter Böhringer ist mit 39 Jahren und fünf Monaten der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Heilbronn und unter den "Top fünf" in Baden-Württemberg wie Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke als Vertreter des Gemeindetages hervorhob. Außerdem bekommt Pfaffenhofen mit Carmen Kieninger, die in diesem Rahmen in ihr Amt eingesetzt wurde, die erste Bürgermeisterin seiner Geschichte.

An einem solchen Abend wird mit Lob nicht gespart. "Sie waren ein Fels in der Brandung. Nichts konnte Sie aus der Ruhe bringen - außer eine Niederlage des VfB Stuttgart", sagte Detlef Piepenburg. Immer auf der Höhe der Zeit sei er gewesen und habe sich nie hinter seinem Gemeinderat versteckt, sondern immer Verantwortung übernommen.

Klaus Holaschke hob die menschliche Seite des 66-Jährigen hervor: "Dein Handeln war immer von gegenseitigem Respekt geprägt. Du warst ein Verteidiger der kommunalen Selbstständigkeit, und: Du wirst uns in den Nachsitzungen fehlen." Der zweite stellvertretende Bürgermeister Stefan Wasserbäch hatte ebenfalls den gemeinschaftlichen Aspekt im Blick: "Mit Ihnen hat die Kultur der Nachsitzungen einen hohen Stellenwert bekommen." Aber Wasserbäch gab auch einen Einblick in die Verlässlichkeit und Verantwortung Böhringers: "Es gab in Ihrer Ära keine einzige Gemeinderatssitzung, die Sie nicht selbst geleitet haben." Und das waren immerhin rund 470 Termine. Private Urlaubsplanung und andere private Dinge habe Böhringer den Ratsterminen immer untergeordnet.

 

Ehrenring für die geleistete Arbeit
Alles aufzuzählen, was in den fast 40 Bürgermeisterjahren von Dieter Böhringer angestoßen und verwirklicht wurde, „würde den Rahmen dieser Gemeindratssitzung bei Weitem sprengen“, sagte Stefan Wasserbäch. An ein einige bemerkenswerte Dinge erinnerte der zweite stellvertretende Bürgermeister dann aber doch: Angefangen bei Böhringers Amtseinsetzung 1982 über verschiedene Neubaugebiete und Ortssanierungen, Kelterplatz- und Lindenplatzgestaltung, Umbau und Erweiterung Gemeindezentrum, Friedhoferweiterung mit Neugestaltung der Aussegnungshalle, Schulhauserweiterung und Erweiterung der Kinderbetreuungsangebote bis hin zur Ansiedlung des Netto-Marktes am Ortseingang und der Modernisierung der Wasserversorgung. Im kulturellen Bereich entstanden in der Aera Böhringer der viel beachtete Künstlertreff, die Ferienwoche mit Zeltlager auf dem Alten Sportplatz und nicht zuletzt auch der Zabergäulauf. Nach wie vor fand auch regelmäßig das schon 1977 eingeführte Frosch- und Schneckenfest statt, für dessen Erhalt sich der Schultes immer ganz besondes engagierte. Zum Eintritt in den Ruhestand würdigte deshalb der Gemeinderat die Lebensleistung von Dieter Böhringer mit dem goldenen Ehrenring der Gemeinde Pfaffenhofen.

Böhringer selbst bedankte sich beim Gemeinderat für die "immer sachlichen Auseinandersetzungen. An persönliche Angriffe kann ich mich in der gesamten Zeit nicht erinnern." Böhringer bedauerte, dass einer Vielzahl von Wegbegleitern, wie zum Beispiel aus der Riege der Sportgemeinschaft der Bürgermeister, die Teilnahme an diesem Abend coronabedingt verwehrt blieb. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten sich die Besucher von Dieter Böhringer.

Abschließend ergriffen noch Matthias Fried, Stephan Kolb und Margret Munz als Vertreter der Vereine aus beiden Ortsteilen das Wort und bedankten sich. "Was du mit uns aufgebaut hast, wollen wir weiterführen", sagte Feuerwehrkommandant Matthias Fried im Hinblick auf die verschiedenen von Böhringer geförderten Vereinsaktivitäten und begrüßte ihn gleichzeitig als Bürger der Gemeinde: "Wenn du möchtest, darfst du auch gerne mitschaffen."

 

Taktstock als Antrittsgeschenk
Einen Taktstock überreichte Leingartens Bürgermeister und Vorsitzender des Bürgermeister-Sprengels Zabergäu-Leintal, Ralf Steinbrenner, der neuen Bürgermeisterin Carmen Kieninger als Antrittsgeschenk: "Ich wünsche dir, dass die Entwicklung Pfaffenhofens im richtigen Takt weitergeht.“ Der erste stellvertretende Bürgermeister Martin Rösinger vereidigte Kieninger anschließend. "Unser Verlust im Landratsamt ist ein Gewinn für Pfaffenhofen", sagte Landrat Detlef Piepenburg. Kieninger arbeitete dort als Europa-Beauftragte des Landkreises. "Ich habe schnell erkannt, dass du mit Frische an die neue Aufgabe herangehst", sagte Dieter Böhringer und gab ihr den Rat: "Vertraue auf dein Bauchgefühl." Sie freue sich auf die Herausforderung. Die vielen Begegnungen und das in sie gesetzte Vertrauen bei der Wahl hätten sie beeindruckt, erklärte Kieninger nach der Einsetzung. Die 50-jährige Nordheimerin war am 14. März mit 74 Prozent zur Bürgermeisterin gewählt worden.

"Jeder neue Bürgermeister bringt einen eigenen Stil mit." Ihrer sei von Offenheit, Bürgernähe und einer sachorientierten Gemeinderatsarbeit geprägt. Die Gemeinde möchte sie als Team mit den Bürgern, den Ratsmitgliedern und der Verwaltung gut aufstellen. Das Rathaus betrachtet sie als Dienstleister. Und sie machte die Wertschätzung für das Ehrenamt deutlich: "Ohne Unterstützung von Ehrenamtlichen kann eine Gemeinde nicht funktionieren."

Text: HST Friedhelm Römer/wst