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Gro├čeinsatz der Feuerwehr Pfaffenhofen
6.9.2019 - 13.9.2019

Unterstützung durch die Wehren aus Güglingen und Zaberfeld und der Landwirte

Gleich zweimal musste am Dienstagabend vergangener Woche und am frühen Mittwochmorgen die Pfaffenhofener Feuerwehr zu einem Brand bei der Altholzverwertungsfirma AKG ausrücken. Rauch quillt an mehreren Stellen aus einem riesigen, gut 15 Meter hohen Berg aus geschrettertem Altholz.

So stellt sich die Lage dar, als die Pfaffenhofener Feuerwehr an diesem Dienstagabend gegen 17.30 Uhr vor Ort eintrifft. Aufgrund der Verdichtung durch das ständige Befahren mit den schweren Radladern und des Eigengewichtes der Masse von mehr als 8000 Kubikmetern Brennholz für Großfeuerungsanlagen hat sich der Berg im Innern „wahrscheinlich selbst entzündet“, vermutet Firmenchef Andreas Achauer.

 

Für Feuerwehrkommandant Matthias Fried ist deshalb auch schnell klar: Einfach große Mengen Löschwasser über den Haufen spritzen bringt nichts. Das Wasser würde nur an der Oberfläche ablaufen, aber nicht zum eigentlichen Brandherd vordringen. Den vermutet Fried tief im Inneren des Berges, in vermutlich zehn oder mehr Metern Tiefe. Mit Bagger und Schaufellader der Firma wird deshalb das geschretterte Material Baggerschaufel um Baggerschaufel abgetragen und mit dem Schaufellader weggefahren.

 

Die Feuerwehr steht bereit das rauchende Material abzulöschen. Mit drei C-Rohren spritzen die Einsatzkräfte in den vom Bagger gegrabenen Krater. Gegen 22 Uhr wird die Löschaktion dann allerdings abgebrochen. Die Standsicherheit des Baggers wird zunehmend fraglicher, und auch für die Einsatzkräfte direkt am Kraterrand wird es zu gefährlich, begründen Feuerwehrkommandant Fried und Andres Achauer den Abbruch.

 

Allerdings ist die Ruhe für die Löschmannschaften nur von kurzer Dauer: Um 3.30 Uhr schrillen erneut die Alarmempfänger. An einer Flanke des Berges ist das Feuer durchgebrochen. Die Flamen sind schon von Weitem zu sehen. Nach etwa drei Stunden ist das Feuer an dieser Stelle dann gelöscht und auch der Schwelbrand im Inneren soweit eingedämmt, dass vorerst keine Gefahr mehr besteht.

 

Vorbei das Ganze damit aber immer noch nicht. Noch in der Nacht hat Firmenchef Achauer einen größeren Bagger angefordert. Mit dem wird nun seit Mittwochnachmittag der betroffene Teil des Berges in stundenlanger Arbeit abgetragen und von der Feuerwehr abgelöscht.

Insgesamt hat die Pfaffenhofener Feuerwehr, die mit 25 Kräften vor Ort war, in den beiden Einsätzen am Dienstag und frühen Mittwochmorgen rund 200000 Liter Löschwasser verspritzt. Der größte Teil davon, etwa 150000 Liter, stand auf dem Betriebsgelände zu Verfügung. Den Rest karrten Wengerter mit ihren großen Fasswagen vom Brunnen der Beregnungsgemeinschaft zur Brandstelle. „Das funktioniert bei uns in Pfaffenhofen ganz gut“, lobt Fried die freiwilligen Helfer.

Personen kamen bei den Einsätzen nicht zu Schaden und auch die Firmengebäude wurden nicht betroffen. Der entstandene Schaden allerdings ist recht groß: Mindestens 40000 Euro schätzt Andreas Achauer vorläufig. Genauer kann er es erst sagen, wenn der ganze Berg abgetragen und gelöscht ist. Vor Ort machte sich am Mittwochmorgen auch Kreisbrandmeister Uwe Vogel ein Bild von der Lage. „Der Berg muss komplett abgetragen werden“, verlangt er von der Firma. Mit dem bisherigen Vorgehen der Feuerwehr war der Kreisfeuerwehrchef einverstanden. Dem Kommandanten empfiehlt er aber trotzdem, ein in Neckarsulm stationiertes Sonderlöschmittel anzufordern und rechtzeitig die Nachbarwehren zu Hilfe zu rufen, bevor die eigenen Einsatzkräfte erschöpft sind. wst

 

Abnahmeproblem:

Wie kann ein so großer Berg von geschrettertem Altholz entstehen? Vier Betreiber von Großfeuerungsanlagen hat die Firma AKG unter Vertrag. „Alle vier lassen uns gerade im Stich“, erklärt Andreas Achauer. „Zwei Firmen haben gerade Turbinenschaden und die anderen melden sich einfach nicht, obwohl sie vertraglich zur Abnahme verpflichtet sind“. Achauer vermutet, dass die Heizzentralen derzeit lieber auf frisches Holz aus den Wäldern zugreifen statt auf das Altholz. Beim Waldholz sei derzeit das Angebot riesig - und die Preise dementsprechend günstig. wst

 

Bericht aus der Heilbronner Stimme

Von Werner Stuber

 

 

 

Der Kampf gegen die Flammen im Innern des Berges aus Holzhackschnitzeln scheint hoffnungslos zu sein. Und doch denken die Feuerwehrleute nicht ans Aufgeben. Seit sechs Tagen sind sie in der Altholzverwertungsfirma AKG in Pfaffenhofen im Einsatz. Das Material hat sich offenbar selbst entzündet. Firmenchef Andreas Achauer findet für die Holzhackschnitzel keine Abnehmer mehr. Der Berg aus klein zerhackten Schrankwänden, Tischen, Stühlen und sonstigem hölzernen Sperrmüll ist auf rund 15 Meter angewachsen und stark verdichtet.

 

Matthias Fried, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Pfaffenhofen, gibt die Hoffnung nicht auf. Irgendwann werden die freiwilligen Feuerwehrmänner und -frauen den Kampf gewinnen. Gut gemeinte Ratschläge von außengebe es genügend. „Es ist nicht ohne Weiteres möglich, das Feuer mit Wasser zu löschen.“ Der Wasserdruck reiche nicht aus, um an die Brandstelle im Innern des Berges zu gelangen. Deshalb tragen seit Freitag vier Bagger die Holzschnitzel Schicht für Schicht ab. Feuerwehrleute löschen Glutherde. Es ist ein ungleicher Kampf. Erschwerend komme hinzu, dass der Wind die Flammen in den Berg hinein treibe.

 

 

 

Kommandant Fried hat mittlerweile die benachbarten Wehren aus Zaberfeld und Güglingen angefordert. Die Feuerwehrleute von dort unterstützen ihren Kameraden aus Pfaffenhofen. Der Kampf gegen das Feuer ist kräftezehrend. Fynn Rösinger ist von Beginn an dabei. „In der ersten Nacht habe ich zwei Stunden geschlafen“, sagt der 17-Jährige von der Freiwilligen Feuerwehr Pfaffenhofen. Rösinger ist für die Löschwasserversorgung am Fahrzeug und für die Verpflegung der Kameraden zuständig.

 

Seine Kameradin Julia Issler (28) arbeitet direkt an seiner Seite zusammen. Die Maschinistin bei der Feuerwehr Pfaffenhofen ist seit Dienstag täglich im Einsatz und sorgt dafür, dass die Trupps mit Löschwasser versorgt werden. Gegen die Müdigkeit helfe viel Kaffee. „Und die Kameradschaft. Man hält zusammen.“ Die Kameradschaft lobt auch Philipp Heinz. Der 25-Jährige ist unter anderem für den Atemschutz zuständig. Heinz ist ebenfalls seit Dienstag am Brandort. „Hinsetzen, ausruhen, ein bisschen was trinken“ sagt er, sei sein Rezept gegen die Müdigkeit. Er macht sich fertig für den Löscheinsatz am Berg. „Wenn es sein muss, muss es sein. Man geht auch mal über die Schmerzgrenze hinaus“, sagt Johannes Stuber (30). Sein Arbeitgeber in Freiberg habe ihn für den Einsatz freigestellt. „Dieser Brand ist kein bisschen Standard-Programm. Vieles ist ungewiss, man kann es nicht abschätzen“, sagt der Gruppenführer der Feuerwehr Pfaffenhofen.

 

Marlon Fried wäre eigentlich mit seinem Kameraden Nico Haußmann mit dem Motorrad im Spessart unterwegs. Den Urlaub haben sie abgebrochen. „Man hat auf dem Motorrad keinen klaren Kopf, wenn man gedanklich bei der Brandstelle ist“, sagt der 26- Jährige, der bei den Wehren Güglingen und Pfaffenhofen aktiv ist. Für beide sei klar gewesen, dass sie ihre Kameraden unterstützen. Am Sonntagnachmittag dann ein Hoffnungsschimmer. Die Maßnahmen der Feuerwehrleute greifen. „Es wird übersichtlicher“, sagt AKG-Firmenchef Andreas Achauer. Für Sonntagabend habe er eine große Planierraupe bestellt, die den Hauptbrandherd auf einen Haufen schieben soll. „Es ist jetzt wichtig, dass es vorwärts geht. Für alle Beteiligten.“ Rund 700 000 Liter Wasser seien bis gestern für Löscharbeiten benötigt worden. 120 000 Liter stammen aus einem Tank, der auf dem Firmengelände steht. Ein Großteil des Löschwassers kommt aus einem Brunnen. Große Tankwagen und Schlepper transportieren das Wasser an den Brandort. „Der Vater eines Feuerwehr-Angehörigen fährt einen großen Traktor“, sagt Kommandant Fried. Ein Weingärtner stelle ebenfalls Fahrzeuge zu Verfügung und fahre selbst mit. „Der Zuspruch und die Unterstützung aus der Bevölkerung ist da.“

 

Bericht aus der Heilbronner Stimme vom 02.09.2019

Von Jürgen Kümmerle